Das mittelalterliche Grabmal und sein räumlicher Kontext. Strategien der Erinnerung in Christentum und Islam

Universität Tübingen, Kunsthistorisches Institut, 18.-20. Februar 2016

Francine Giese, Universität Zürich / Markus Thome, Universität Tübingen

Die Vorstellung, dass Grabmäler und Begräbnisorte in ihrer Gestaltung über Aspekte der persönlichen Jenseitsfürsorge hinaus gesellschaftliche Funktionen und Bedeutungen des Gedächtnisses bis hin zu politischen Ansprüchen spiegeln, ist in der mediävistischen Forschung weit verbreitet und prägt den Blick auf Beispiele aus dem christlichen und islamischen Kontext gleichermaßen. Neben einem verstärkten Interesse an der rituellen Einbindung kennzeichnet neuere Untersuchungen eine erweiterte Sicht auf die konkrete Verortung und räumliche Situation als wesentlicher Faktor für das Verständnis von Grabmälern und deren Funktion. Raum wird dabei über die physische Begrenzung und Rahmung hinaus als relationaler Begriff im Sinne eines auf kollektiver Wahrnehmung, Nutzung und Aneignung basierenden gesellschaftlichen Konstruktes verstanden.
Die Tagung soll Gelegenheit bieten diese Ansätze in einer vergleichenden Perspektive auf mittelalterliche Objekte, Bauten und Orte des Totengedenkens in Christentum und Islam zu diskutieren. Im Fokus steht die Frage nach der Relevanz einer Einbindung und Funktion von Grabmälern als Orte und Räume prägende und konstituierende Faktoren in den beiden unterschiedlichen Religionskulturen.
Unser Interesse gilt dabei einer Reflexion der Analyse mittelalterlicher Grabmonumente mit Blick auf theoretische Konzepte des Spatial turns, sowie konkreten Fallbeispielen, anhand derer Themen wie die Wahl eines Bestattungsplatzes und die damit zusammenhängenden Aushandlungsprozesse, Fragen nach der Sichtbarmachung inhaltlicher Verknüpfungen im Raum durch Gestaltmerkmale oder Rituale bis hin zu den religiösen und/oder politischen Intentionen diskutiert werden. Mit dem angestrebten Vergleich zwischen Grabmälern und deren Raumbezügen im christlichen und islamischen Kontext geraten einerseits Kontaktzonen und kulturelle Austausch- und Transferprozesse in den Blick. Andererseits zielt er auf eine Schärfung des methodischen Instrumentariums. Die im Zentrum stehende Perspektive der Kunstgeschichte soll idealerweise durch Beiträge aus verwandten Disziplinen wie der Geschichtswissenschaft und Mittelalterarchäologie ergänzt werden.

Keynote Speakers

Doris Behrens-Abouseif, London

Tanja Michalsky, Berlin/Rom

Programm

Diese Seite teilen: