Katrin Kaufmann M.A.

Doktorandin Kunstgeschichte

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Orientvisionen im zaristischen Russland - Neo-islamische Architektur und Interieurs in St. Petersburg (Arbeitstitel)

Universität Zürich
Kunsthistorisches Institut
Betreuerin: Prof. Dr. Francine Giese, SNF-Förderungsprofessorin

Innerhalb des Forschungsprojekts Mudejarismo und maurisches Revival in Europa – Transkultureller Austausch zwischen Muslimen, Christen und Juden in der Architektur des Mittelalters und der Neuzeit (www.transculturalstudies.ch) setzt sich dieses Dissertationsprojekt mit orientalisierender Architektur – insbesondere mit neoislamischer, resp. neomaurischer Architektur – im zaristischen Russland auseinander und leistet damit eine wichtige Ergänzung zum bestehenden Projekt. Im Rahmen der neueren Diskussionen transkultureller Aspekte der Kunstgeschichte – wie sie unter dem Stichwort Global Art und der damit verbundenen Theoriebildung in jüngster Zeit vermehrt diskutiert worden sind – soll das Dissertationsprojekt die in den Teilbereichen bereits behandelten topographischen und geopolitischen Räume um jenen des russischen Kaiserreichs ergänzen. Denn gerade im zaristischen Russland brachte die Faszination für die islamische Kunst und Kultur vor allem im 19. Jahrhundert unzählige orientalisierende Repliken in der Architektur und Interieurkunst hervor, die sich in der Diskussion eines maurischen Revivals in Europa als ein wichtiges und komplementäres Forschungsfeld erweisen, zumal gerade in diesem Bereich systematisch erarbeitete Grundlagen fehlen.

Aus diesem Grund setzt sich das Dissertationsprojekt zum Ziel, in einem ersten Schritt die bestehende Literatur zu dieser Thematik zu sichten, sowie zu Beispielen, die sich im Bezugsrahmen der gegebenen Fragestellung als besonders relevant erweisen, eine intensive Recherche vorzunehmen. Als eine weitere Quelle, an der sich Transferwege und Transfermechanismen aufzeigen lassen, kann die russische Reiseliteratur des 18. und 19. Jahrhunderts beigezogen werden. Anhand der Desiderate werden nun relevante Bauwerke und Architekten ausgewählt, mit denen sich der Hauptteil der Arbeit befassen soll. Die Untersuchung des Objekts vor Ort sowie eine Arbeit in den entsprechenden Archiven ist dafür unumgänglich und somit auch wesentlicher Teil dieser Studie.

Drei Fragestellungen sollen in dieser Untersuchung besonders hervorgehoben werden. Eine erste Fragestellung befasst sich in formästhetischen und motivhistorischen Konstellationen. Es soll eruiert werden, welche architektonischen Motive rezipiert werden, wie sich diese Rezeption in den Repliken geographisch verorten lässt und welche Vorbilder sich als Bezugsobjekte erweisen. In einer zweiten Fragestellung soll die oben genannten Punkte auf einer transkulturellen Ebene reflektiert werden. Damit rücken sozio-politische Dimensionen ebendieser Konstellationen in den Vordergrund. Es sollen also transkulturelle (künstlerische) Austauschprozesse reflektiert und nachgezeichnet werden, wobei die Frage nach politischen Aspekten der Architektur, sowie deren Funktion und Funktionalisierung in politischen Dimensionen wichtig werden. Die dritte Fragestellung ergänzt die historische Ausrichtung der Arbeit um ein weiteres Feld, das – gerade unter dem Gesichtspunkt transkultureller Austauschprozesse – auch aktuelle Diskussionen mit einschliesst: Es soll nämlich auch der denkmalpflegerische Blick auf diese Architekturen beschäftigen, von denen viele in den letzten Jahren restauriert wurden. Gerade in diesem Bereich lassen sich kritische Beobachtungen zum kulturellen Selbstverständnis und dem Umgang mit der Geschichtlichkeit der Architektur anstellen.

Die Mitarbeit im interdisziplinären Forschungsteam von Prof. Dr. Francine Giese (SNF-Förderungsprofessur am Kunsthistorischen Institut, Universität Zürich) schafft ideale Voraussetzungen für eine erfolgreiche wissenschaftliche Untersuchung des Themas. Die Zweitbetreuung übernimmt Prof. Dr. Ulrich Rudolf (Professor für Islamwissenschaft, Asien-Orient-Institut, Universität Zürich).

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